Visionen und Sensationen beim Gessem Dienstag

Humorige Ein- und Ausblicke

Erst Leckeres auf dem Teller, dann zum Dessert Lockeres aus der Bütt: Die Menüzusammenstellung hat längst Kultstatus erreicht. Und sie traf beim Gessem Dienstag einmal mehr genau den Geschmack der Gäste im voll besetzten Saal Kellersmann.

Zum 17. Mal lud der CDU-Ortsverband zur närrischen Jahresabrechnung ein. Und die ließ sich auch die Stadtverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Gerda Hövel nicht entgehen. Über Tag noch in Hannover wagte sie sich für den Anlass unerschrocken in die Bahn. Denn allgegenwärtige Fahrplanänderungen, Heizungsausfälle und sonstige Abenteuer können nicht schrecken, wenn der Gessem Dienstag lockt.

Aus der Bahn in die Bütt: Kein Problem für Gerda Hövel, die
 neben humorigen Einblicken in Landes- und Lokalpolitik auch gleich die passende Devise für die Kultveranstaltung im Gepäck hatte: „Schwarzsehen muss nicht negativ sein.“ Der Blick in den Saal zeigte jedenfalls eine zumindest politisch weitgehend einheitliche Färbung. Da wundert es nicht, dass die „Gessem Five“ mit Pianist Christoph Lanver in ihrem musikalischen Rückblick auf die Wahl noch ein spritziges „Wähler, danke fürs Kreuzchen“ intonierten.

Kritsch und frech

Die Junge Union hat an der Farbgebung in Gesmold einen nicht unwesentlichen Anteil. Und auch in der Bütt beim Gessem Dienstag hat sie ihren festen Platz. Als Ortsrats- und JU-Vorstandsmitglied bewies Niklas Schulke dabei, dass er sich nicht nur auf die Politik, sondern auch auf kritisch-freche Reime versteht.

Und die ließen die eigenen Reihen nicht ungeschoren: „Überall sind sie dabei, die Gesmolder Frauen. Nur in der Politik da scheinen sie sich nicht so recht zu trauen“, konstatierte Schulke.

In der Gesmolder Bütt ließ die Frauenquote dagegen nichts zu wünschen übrig. Dafür sorgte mit Kostüm und Stöckelschuhen schon Hilters Bürgermeister Marc Schewski. Als Beraterin für strategische Fragen plauderte er ungeniert aus dem Nähkästchen des Bürgermeisters. Der sei schließlich ebenso wie sein Meller Amtskollege „so’n Zugelaufener“. Im benachbarten Bissendorf wurde unterdessen, wie die gut informierte Beraterin den erstaunten Zuhörern verriet, eine zoologische Sensation entdeckt. Das „Chamäleon Halfteri“ ist demnach das einzige seiner Art, das den dynamischen Farbwechsel durch alle politischen Schattierungen beherrscht.

„Wer hier fehlt, kann den Rest des Jahres nicht mitreden“, warnte der CDU-Ortsverbandsvorsitzende Eugen Sternberg augenzwinkernd zum Auftakt der Veranstaltung. Wie recht er damit hatte, zeigte sich spätestens, als Utroper André Berghegger historisch gewandet in die Bütt stieg. Schließlich verdient die Idee eines Superstadtteils, der die Macht zwischen Loh und Beutling wirkungsvoll eint, durchaus Beachtung.

Ob der künftig als Wellmold oder doch eher als Gesling in die Annalen der Stadtgeschichte eingeht, ist zwar noch strittig. Die ersten Weichen sind von der Pfarreiengemeinschaft jedoch schon gestellt.

Bestens aufgelegt mit witzigem Zungenschlag und launigen Wortspielereien machte Berghegger dem unverzichtbaren Papierhut humorvolle Ehre. Und vielleicht etablierte er mit einem zweiten Auftritt als Utroper auch gleich noch eine neue Tradition. Das wird sich spätestens im nächsten Jahr zeigen, wenn auf das vielstimmige „Gessem helau“ in launigem Automatismus ein höfliches „Danke“ und „Bitte“ folgen wird.

 

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