Zwei Meller Frauen, die fair miteinander umgehen

Landtagskandidatinnen im Portrait

Die beiden Direktkandidatinnen zur Landtagswahl im Wahlkreis 74 (Melle/Dissen/Hilter/Bissendorf/Bad Essen), Jutta Dettmann (SPD) und Gerda Hövel (CDU) kommen aus Melle und können unterschiedlicher nicht sein: Da ist mit der Erzieherin Jutta Dettmann die 34-jährige Herausforderin noch ohne Parlamentserfahrung und mit Gerda Hövel (63) eine Politikerin, die seit fünf Jahren ein Landtagsmandat besitzt.

 Beide arbeiten seit Jahren in den verschiedenen Gremien ihrer Heimatstadt zusammen und entsprechend fair ist der Umgang auch in Wahlkampfzeiten.

Fast fünf Jahre sitzt Gerda Hövel für die CDU im Landtag, ihre Chancen, das Direktmandat erneut zu holen, schätzt sie dank ihrer bisher geleisteten Arbeit als sehr gut an. Sie steht auf Platz 17 der Landesliste; Ziel ist es, den Wahlkreis 74 direkt zu gewinnen.

Geboren und aufgewachsen in Rheine lebt Gerda Hövel seit 1987 mit ihrer Familie in Melle. Seit 1991 ist sie Mitglied der CDU, war Vorsitzende der Frauenunion Melle und ist seit 2007 Stadtverbandsvorsitzende der CDU. Dem Landtag gehört sie seit 2013 an, wobei sie im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie im Ausschuss für Verbraucherrechte, ein Unterausschuss des Landwirtschaftsausschusses, vertreten ist.

 

Bildungspolitik

Als Schwerpunkte ihrer Arbeit nennt sie eine gute Bildungspolitik, mehr Sicherheit und die Stärkung des ländlichen Raumes. Frühkindliche Bildung müsse gestärkt und eine vielfältige Schullandschaft mit Wahlmöglichkeiten erhalten bleiben.

Die 63-Jährige sieht die Inklusion als „wichtige Aufgabe“; allerdings gebe es derzeit große Probleme bei der Umsetzung. Förderschulen müssten ihrer Meinung nach erhalten bleiben und den Eltern Wahlmöglichkeiten geben werden. Mit der jetzigen Situation seien alle Beteiligten überfordert.

 

Die frühkindliche Bildung müsste durch verbesserte Betreuungsschlüssel und Qualitätsstandards verbessert werden, wobei sich Hövel dafür einsetzen möchte, dass die Kita-Gebühren abgeschafft werden.

Es sei wichtig, den ländlichen Raum in den Fokus zu rücken: Eine Erhöhung der Polizeipräsenz zähle ebenso dazu wie der Ausbau der digitalen Infrastruktur: „Wir wollen eine Offensive starten, um flächendeckend den Breitbandausbau zu forcieren. Bis zum Jahr 2022 sollen dafür eine Milliarde Euro ausgegeben werden. Zudem muss das W-lan in öffentlichen Bereichen zugänglich sein“, fordert die CDU-Politikerin.

Mehr Polizisten

Heftige Kritik übt sie an der bisherigen Landesregierung mit Blick auf die Schließung des Dissener Krankenhauses: Es sei wichtig, kleinere Krankenhäuser auf dem Land zu erhalten, mit der Schließung in Dissen seien wichtige Strukturen zerschlagen worden. Es müssten Anreize geschaffen werden, um Ärzte und Apotheke für das Land zu gewinnen. Zudem unterstützt Hövel den Ausbau des Radwegenetzes.

Wölfe zum Abschuss freigeben? Die CDU-Frau sieht den Wolf als „große Gefahr“ und gerade in dicht besiedelten Bereichen ein Problem. Sie könne sich vorstellen, den Wolf in das Jagdrecht mitaufzunehmen.

Jutta Dettmann ist seit 2002 Mitglied der SPD und inzwischen im Kreistag und im Stadtrat vertreten sowie Fraktionsvorsitzende im Ortsrat Melle-Mitte. Ihre Partei vertritt die frühere stv. Juso-Kreisvorsitzende aktuell als stv. Kreisvorsitzende und Mitglied des Landesparteirates.

Sollte sie das Direktmandat erringen oder über die Landesliste (Platz 36) in den Landtag einziehen, liegen ihr die Themen Bildung, Breitbandausbau, Ärzteversorgung, Nahversorgung, sozialer Wohnungsbau und Polizeipräsenz in der Fläche am Herzen. „Das alles sind Themen im ländlichen Raum und das ist schließlich mein Wahlkreis“, erklärte sie in einem Pressegespräch die Auswahl.

So fordert sie mehr Personal für die Kitas und deren Kostenfreiheit auch im Ü-3_Bereich, eine kostenfreie Berufsausbildung einschließlich der Meisterkurse und mehr Lehrer.

„In den Breitbandausbau und in ein stabiles LTE müssen wir definitiv mehr investieren“, erklärte sie. Außerdem solle das Land sozialen Wohnungsbau stärker fördern. „Wir benötigen bezahlbaren Wohnraum auch für ganz normale Familien“, betonte die Kandidatin.

Für Rufbusse

Auch die Polizei müsse flächendecken vor Ort bleiben. Wichtig für den ländlichen Raum sei zudem eine gute ärztliche Versorgung. Kritik übte Jutta Dettmann in diesem Zusammenhang am hausärztlichen Notdienst mit Sitz in Osnabrück. „Das ist eine Zumutung für die Patienten, da brauchen wir eine Außenstelle in Melle.“ Auch bei den Apotheken müsse geprüft werden, welche besseren Konzepte für die Region möglich seien.

Zukunftsgerichtetes Denken sei auch beim ÖPNV notwendig. „Da müssen mir mit den Busunternehmen sprechen, beispielsweise über Rufbusse“, sagte sie.

Bei den großen Landesthemen Wölfe und Inklusion sprach sie sich bei Problemtieren oder problematischen Rudeln für einen Abschuss aus, ist aber gegen eine generelle Bejagung von Wölfen.

Die Inklusion bleibe ein gesellschaftliches Thema. Sie wisse, dass es dabei nicht überall rund laufe. Daher benötigten die Schulen eine bessere Ausstattung, mehr Lehrer und verstärkt sonderpädagogische Anteile im Grundstudium. Parallel dazu müsse es spezielle Fördereinrichtungen wie den Werscher Berg in Bissendorf und andere Sprachfördereinrichtungen und Sprachförderklassen geben.

„Mir ist wichtig, dass die AfD nicht in den Landtag kommt“, hob Jutta Dettmann hervor. Das vergleichsweise schlechte Abschneiden dieser Partei in der Region bei der Bundestagswahl spreche für die Menschen hier.

 

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