Wittlager Landwirte wichtiger Wirtschaftsfaktor

Landvolkkundgebung 2018

Leckermühle. Dass die Landwirtschaft im Altkreis Wittlage eine wichtige Rolle spielt, wurde auf der diesjährigen Kundgebung im Hotel-Restaurant Niemann, Leckermühle, deutlich. Zudem wurde ein kritischer Blick auf Statistiken geworfen.

„Die Höfe brauchen aber Planungssicherheit“, so Friedrich Steffen, Vorsitzender des Kreislandvolks Wittlage mit Blick auf die Politik. So setzten die Landwirte Hoffnungen in die neue Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Die Meller CDU-Landtagsabgeordnete Gerda Hövel ist auf jeden Fall von Otte-Kinast überzeugt. Sie sei vom Fach und bewirtschafte mit ihren Mann selbst einen Hof, so Hövel, die Gast der Veranstaltung war.

Drei Altkreisgemeinden

Bohmtes Bürgermeister Klaus Goedejohann, der die Grüße der drei Altkreisgemeinden übermittelte, lobte die heimischen Betriebe. „Wir zeigen Dankbarkeit und Respekt vor der Arbeit der Landwirte.“

Ökonomische Bedeutung

Friedrich Steffen wies auf die ökonomische Bedeutung der Landwirtschaft hin. Ein Drittel der Produkte würden exportiert. Das sind Waren im Wert vom 70 Milliarden Euro. „Der Export sichert mehr als 300.000 Arbeitsplätze“. Die Exporte würden entgegen landläufiger Meinung nicht von der EU subventioniert. „Das ist seit 2013 vorbei“, betonte der Vorsitzende. Allerdings werden auch Lebensmittel im Wert von 77 Milliarden Euroin die Bundesrepublik importiert. Deutschland ist also kein Selbstversorger.

Landesamt für Statistik

Mit Zahlen und deren Interpretation befasste sich auch Gastreferent Georg Keckl in Leckermühle. Er ist seit mehr als 30 Jahren im Niedersächsischen Landesamt für Statistik, Bereich Landwirtschaft, in Hannover tätig. „Niedersachen ist das Agrarland Nummer eins“, so seine These. Das stimme, wenn man den Umsatz des Agrarsektors zugrunde legt. „Bayern ist das Agrarland Nummer eins“, auch das sei richtig, berücksichtige man die Zahl der Höfe und der bewirtschafteten Fläche. Es kommt also immer darauf an, welche Daten in eine Statistik einfließen.

Wirtschaftliche Wertschöpfung

Unbestritten ist der Wandel, den die Landwirtschaft in den vergangenen rund 100 Jahren erlebt hat. Ernährte im Jahr 1900 ein Bauer vier Menschen, so sind es heute 155. „Immer weniger produzieren immer mehr“, so Keckl. Und das gelte für alle Wirtschaftszweige. Der Anteil der Landwirtschaft an der wirtschaftlichen Wertschöpfung ist dagegen in diesem Zeitraum gesunken – von 29,9 Prozent auf 0,9 Prozent. Und letztlich spiegele sich die gesunkene Bedeutung auch in der Erstellung von Statistiken wider. Der Agarbereich habe nicht mehr die „Deutungshoheit“. Andere gesellschaftliche Gruppen hätten diese übernommen. Das zeige sich unter anderem bei Themen wie der Nitratbelastung des Trinkwassers, Glyphosat und sogar dem Waldsterben.

Das Paradebeispiel

 

Das sei überhaupt das Paradebeispiel dafür, wie ein Thema dank falscher Statistiken Gesellschaft und Politik verändern könne. „Das Waldsterben war ein auf unbewiesenen Behauptungen konstruiertes Horrorszenario zur schnelleren Durchsetzung umweltpolitische Ziele“, sagte Keckl. Fakten oder Fake News? Letztere habe es schon immer gegeben. Heute seien sie vielleicht dreister und unverfrorener. Die Prognosen zum Waldsterben waren eindeutig Fake News, die ein ehrgeiziger Professor Anfang der 1980er Jahre in die Welt gesetzt habe. Die Emotionalisierung wirke. Keckl: „Kampagnen verdrängen Fakten“. In der Politik würde seither immer mehr kampagnegetrieben, statt problem- und lösungsorientiert agiert, kritisierte der Statistiker.

Nach oben