Zum 10-jährigen Bestehen bestes Theater im Meller Theater

Frisch und Frech: Impresario von Smyrna

Melle. Ein Theater feiert Jubiläum. Wie? Natürlich mit Theater! Und nichts eignet sich dafür besser als ein launiger Blick auf eben jene Bretter, die für das Ensemble selbst die Welt bedeuten. Noch drei Mal hebt sich deshalb bei der Theaterbande Phoenix der nicht vorhandene Vorhang für den „Impresario von Smyrna“.

Unter der künstlerischen Leitung von Jan Graf-Betge bereichert die Theaterbande seit zehn Jahren das kulturelle Leben in Melle, in Borgholzhausen und in der ganzen Region. Insgesamt 36 Inszenierungen – die aktuelle eingeschlossen – lockten in dieser Zeit die Theaterfreunde zu über 200 Vorstellungen. Über 10.000 Stunden investierten die Aktiven auf und hinter der Bühne, um ihrem Publikum intelligentes, kurzweiliges und dabei niveauvolles Theatervergnügen zu bieten.

Sebstironie

„Es ist jedes Mal ein Genuss, in Ihre Aufführungen zu kommen“, sprach die Ortsbürgermeisterin Gerda Hövel aus, was die Besucher des Sommerstücks im Garten des Schulungszentrums der Firma Spartherm dachten. Als reines Tourneetheater müsse sich die Theaterbande auf immer wieder neue Gegebenheiten einstellen. Flexibilität und Spontanität ist dafür unverzichtbar. Und die bewiesen Regisseur, Ensemble und Hintergrund-Mannschaft auch am Samstag.

Denn das Hochwasser von Venedig, das zu Carlo Goldonis „Impresario von Smyrna“ über die Lautsprecher gluckerte und von den Gummistiefeln der Schauspieler versinnbildlicht wurde, rann in Schauern ganz real vom Himmel. Pause vorziehen, Stühle abdecken, Stühle wieder aufdecken und nahtlos weiterspielen: Kein Problem für eine Truppe, deren ansteckende Theaterbegeisterung sich seit zehn Jahren mit einem hohen künstlerischen Niveau verbindet.

Nach dem „Diener zweier Herren“ und der „Trilogie der Sommerfrische“ bringt sie nun zum dritten Mal ein Stück von Carlo Goldoni auf die Bühne. Dabei empfiehlt sich der „Impresario von Smyrna“ dank der künstlerisch leitenden Hand von Jan Graf-Betge und der Regieassistenz von Ulrike Bösemann nicht als bissige Abrechnung mit dem Bühnenbetrieb. Vielmehr kommt die humorvolle und mit Phoenix-typischen Überraschungen gespickte Aufführung mit einer kräftigen Prise augenzwinkernder Selbstironie daher.

Humorige Klischees

Ein Gerücht geht um in Venedig: Ali (Sascha Tonsor), ein reicher türkischer Kaufmann und Kunstfreund, ist fest entschlossen, seiner Heimatstadt Smyrna eine Oper zu stiften. Auf ihre große – und vermutlich einzige – Chance hoffen in der Türkei nicht nur der Falsettist Carluccio (Volker Metz) und der Tenor Pasqualino (Robin Stümpeley). Auch die Sopranistinnen Lucrezia (Marion Kümmel), Tognina (Eva Groppel) und Annina (Simone Huge) sind fest entschlossen, den Impresario zu beeindrucken.

Jede von ihnen ist es ihrem Ruf – und dem Geldbeutel – schuldig, die Erste, Schönste, Beste zu sein. Und dafür wird gelogen, gestichelt, umschmeichelt und umgarnt, was das Zeug hält. Gaby Capteyn als mafia-mäßig zwielichtiger Theateragent Nibio, Bianca Vogt als adeliger Kunstliebhaber Lasca und Pia Zachan als Gastwirt machen den Reigen der humorigen Klischees komplett. Aber müssen die gleich so deutlich daherkommen? Eine kurze – von Goldoni nicht eingeplante, aber desto amüsantere - Diskussion entspinnt sich und fügt dem Theater im Theater gleich noch eine weitere Ebene hinzu.

Weiblicher Zickenkrieg

Schließlich ist die Theaterbande bekannt dafür, nicht einfach „vom Blatt“ zu spielen. Und so röhrt Eva Groppel als Tognina mit barocker Robe in bester Gianna-Nannini-Manier los, um sich wenig später mit Lucrezia – die immerhin schon auf der Kirmes di Gesmoldo sang – in Rossinis „Duett zweier Katzen“ einen kratzbürstigen musikalischen Wettstreit zu liefern. Der Impresario hüllt unterdessen ob des weiblichen Zickenkriegs mit wachsender Verzweiflung in Rauchwolken aus dem E-Smoker.

Wird Smyrna die erhoffte Oper bekommen? Die Antwort erhalten Theaterfreunde bei weiteren Aufführungen am Freitag, 18. August, Samstag, 19. August, sowie am Freitag, 25. August, jeweils ab 20 Uhr im Garten des Schulungszentrums der Firma Spartherm. Karten gibt es im Vorverkauf unter www.theaterbande-phoenix.de, bei Kretschmann Tabakwaren, bei Familie Kümmel unter Telefon 05422/3874 und bei der Touristinformation im Rathaus.

 

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